Ob als liebevoller Reparatur-Patch auf der ausgefransten Kinderhose, als persönliches Statement auf der Kutte eines Metal-Fans oder als kreative Verzierung auf Rucksack und Jacke — Patches sind aus der DIY- und Textilwelt kaum wegzudenken. Gerade in der Metal- und Punk-Szene gehört es zur Tradition, Kutten buchstäblich mit selbst gewählten Patches zuzupflastern und so die eigene Persönlichkeit nach außen zu tragen. Aber auch abseits von Subkulturen erfreuen sich Patches großer Beliebtheit: Moderne Rucksäcke im Military-Style besitzen oft praktische Flauschflächen, Workwear lässt sich mit aufgestickten Logos personalisieren, und sogar Caps oder Turnbeutel lassen sich mit solchen Aufnähern wunderbar verzieren.

Dunkelblauer Rucksack im Military-Stil, auf dessen schwarzer Flauschfläche ein runder Tux-Patch und ein rechteckiger FAU-Patch haften

Selbstgemachte Patches auf einem Rucksack

Natürlich kann man online eine riesige Auswahl an fertigen Motiven bestellen. Vielleicht soll es aber ja doch etwas ganz Persönliches sein, etwas Einzigartiges, eventuell sogar etwas selbst Gezeichnetes. Das Problem: Individuell gefertigte Patches sind im Internet meist teuer oder nur in großen Mindestmengen (oft ab 20 Stück) erhältlich. Zudem lassen sich bei kommerziellen Anbietern oft keine speziellen Garne verwenden, etwa im Dunkeln leuchtendes oder reflektierendes Garn.

Klettnamensschilder, von oben nach unten: buntes Metallic-Garn, Nachtleuchtgarn, reflektierendes Garn. Obere Bildhälfte bei Licht, untere im Dunkeln. Im Dunkeln ist nur das Schild mit Nachtleuchtgarn sichtbar, welches allerdings zuvor stark mit einer Taschenlampe beleuchtet wurde. Andernfalls würde es nicht so hell leuchten.

Klettnamensschilder, von oben nach unten: buntes Metallic-Garn, Nachtleuchtgarn, reflektierendes Garn. Obere Bildhälfte bei Licht, untere im Dunkeln. Im Dunkeln ist nur das Schild mit Nachtleuchtgarn sichtbar, welches allerdings zuvor stark mit einer Taschenlampe beleuchtet wurde. Andernfalls würde es nicht so hell leuchten.

Warum also nicht einfach selbst herstellen?

Während das Herstellen von Gummipatches zu Hause kaum möglich ist, sieht es bei gestickten Patches deutlich besser aus – vorausgesetzt, man hat Zugang zu einer Stickmaschine. Zum Glück besitzen viele Makerspaces in größeren Städten oder an Universitäten mittlerweile Stickmaschinen, die man für wenig Geld nutzen kann.

Hardware

Neben der Stickmaschine und einer Schere wird folgendes Material benötigt:

  • auswaschbares, robustes Stickvlies
  • Stoff zum besticken
  • Garn

Falls das Patch mit einer Klettrückseite ausgestattet werden soll, wird des Weiteren noch Folgendes benötigt:

  • etwas Klebeband
  • Klett (Haken)

Falls Interesse besteht, welche Produkte ich verwendet habe (keine Werbung - die Artikel gibt es auch in anderen Webshops und andere Hersteller haben sicherlich auch gute Produkte):

Software

Während proprietäre Software zum Sticken meist sehr teuer ist (mitunter 500+€), gibt es auch eine Open Source Alternative. Und zwar ist inkscape mit der Erweiterung inkstitch kostenlos verfügbar und war bisher gut genug für all meine Anwendungsfälle. Vermutlich sind die kommerziellen Tools besser in der automatischen Konvertierung von Bilddateien zu Stickdateien, aber mit genügend Zeit und Geduld bekommt man es auch so hin.

Gute Tutorials zur Handhabung von Inkstitch finden sich auf deren Website (auch auf Deutsch, auch als Videos). Mit am wichtigsten ist es zu wissen, dass die Reihenfolge der Objekte von Bedeutung ist. Somit werden die Objekte oben in Inkscape als Letztes gestickt. Bei jedem Farbwechsel macht die Maschine automatisch einen Fadentrimm und Stopp. Zumindest gilt das für Maschinen mit einer Nadel. Mehrnadelmaschinen sind jedoch deutlich teurer und seltener in Makerspaces aufzufinden. Möchte man jedoch zwischen Objekten, welche aufeinanderfolgend mit derselben Farbe gestickt werden, einen Trimm und Stopp einlegen, so muss man hierfür extra Kommandos an das Objekt anheften.

Am einfachsten ist es, wenn man mit einer svg-Datei startet. Ich fange dazu mit dem Tux-Pinguin von qubodup auf deviantart an, meine fertige Stickdatei ist hier zu finden. Da der Original-Tux unter der GPLv2 steht, gilt das auch für meine Stickdatei. Weitergabe und Veränderung sind also ausdrücklich erwünscht, solange Urheber und Lizenz genannt bleiben.

Als Erstes modifiziere ich die Flächen so, dass diese sich möglichst nicht überlappen. Anschließend stelle ich die Stickparameter so ein, wie es mir passt. Der Einfachheit halber verwende ich beim Pinguin keinen Satinstich, sondern nur die automatischen Flächenfüllfunktionen. Für die Füße bietet sich der “Contour Fill” an, und der Bauch wirkt mit dem “Circular Fill” deutlich ansprechender.

Der Rand

Man sieht üblicherweise zwei verschiedene Varianten, wie man die Ränder seiner gestickten Patches gestalten kann:

  1. Hot cut borders - gelaserte / geschmolzene Ränder
  2. Merrow borders - gestickte Ränder

Variante 1 ist relativ einfach umzusetzen, wenn man Stoff und Garn aus Plastik verwendet. So kann man dann vorsichtig mit einem Feuerzeug an dem fein ausgeschnittenen Rand entlang gehen und versuchen, ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen.

Mit den gestickten Rändern, also Variante 2, hat man ein deutlich gleichmäßigeres Ergebnis und auch ein schöneres Erscheinungsbild. Man kann diese entweder mit einer speziellen Nähmaschine oder auch teilweise mit Aufsätzen für normale Nähmaschinen anfertigen. Da ich jedoch nicht so geübt im Umgang mit Nähmaschinen bin, entschied ich mich für eine nicht allzu bekannte Methode, bei welcher solche schicken Ränder direkt mit der Stickmaschine erstellt werden. Allerdings ist das deutlich zeitaufwändiger, und man benötigt eben wasserlösliches Stickvlies, welches auch ein bisschen teurer ist.

Hierfür muss ich dann mehrere Randlinien um das Motiv herum sticken. Dabei ist es wichtig, dass diese sich in der Stickdatei an den korrekten Positionen im Stapel befinden, sodass sie auch in der richtigen Reihenfolge gestickt werden. Die Stickdatei wird um folgende Randlinien erweitert:

  1. Randlinie
    • wird als Erstes gestickt
    • Markierung des Patches auf dem Stickvlies
    • sehr grobe Stichdichte
  2. Randlinie
    • wird als Zweites gestickt
    • befestigt den Stoff auf dem Stickvlies
    • grobe Stichdichte
    • etwas nach innen versetzt gegenüber der ersten Randlinie (ca. 0,7 mm)
  3. Randlinie
    • wird nach dem eigentlichen Patchmotiv gestickt
    • befestigt das Klett an dem Stoff und Stickvlies
    • grobe Stichdichte
    • etwas nach innen versetzt gegenüber der zweiten Randlinie (ca. 0,7 mm)
  4. Satinrand
    • wird als Letztes gestickt
    • ergibt den am Ende sichtbaren, schönen Rand
    • feine Stichdichte
    • überdeckt alle Randlinien (ca. 3 mm breit)

Genauer Ablauf

Das Vorgehen ist dann folgendes:

  1. (nur) das wasserlösliche Stickvlies in die Stickmaschine einspannen
    Stickmaschine mit eingespanntem Stickrahmen, in dem nur weißes wasserlösliches Stickvlies liegt
  2. eine erste Umrandung grob sticken, welche anzeigt, in welchem Bereich des Stickvlieses unser Motiv sich befinden wird
    Auf das Vlies ist mit dunklem Garn ein grober Kreis als Positionsmarkierung gestickt
  3. den Stoff, welcher als Grundlage des Patches dient, auf die markierte Fläche auf dem Stickvlies auflegen, eventuell mit Klebeband fixieren
    Das quadratische Stück Stoff liegt auf der markierten Fläche des Vlieses, die verbindende Naht ist noch nicht gestickt
  4. eine zweite Umrandung sticken, welche das Stickvlies mit dem Stoff verbindet
    Ein quadratisches Stück hellgrauer Stoff liegt auf dem Vlies, darauf eine gestickte Kreislinie, die Stoff und Vlies verbindet
  5. den Stoff entlang dieser Umrandung ausschneiden
    Der Stoff ist entlang der Kreislinie zu einer runden Scheibe zugeschnitten, der überstehende Rest ist entfernt
  6. nun kann das eigentliche Motiv gestickt werden
    Die Nadel der Stickmaschine stickt die ersten Konturen des Pinguins auf die runde Stoffscheibe
  7. falls ein Klett auf der Rückseite des Patches gewünscht ist, so kann dieses nun auf der Rückseite des Stickvlies mit etwas Klebeband fixiert werden
    Rückseite des Rahmens: ein quadratisches Stück schwarzes Klettband ist mit vier Streifen Klebeband auf dem Vlies fixiert
  8. in einer weiteren Umrandung wird dann das Klett mit dem Vlies und dem Stoff verbunden
    Vorderseite mit fertig gesticktem Tux auf hellblauem Grund, noch ohne umlaufenden Rand
  9. nun das Klett entlang dieser letzten Umrandung ausschneiden
    Rückseite mit rund zugeschnittenem schwarzem Klett, daneben liegt eine gebogene Stickschere
  10. als Letztes wird der schöne Satinrand gestickt
    Ein schwarzer Satinrand ist rundum gestickt und fasst das Motiv sauber ein
  11. Patch aus dem Stickvlies grob ausschneiden, unter dem Wasserhahn auswaschen, trocknen lassen und fertig :) Nur mit Bügeln sollte man vorsichtig sein, schließlich sind viele Garne aus Polyester, welches dann schmelzen könnte.
    Das fertige, ausgewaschene Patch mit Tux und schwarzem Satinrand liegt auf einer hellen Arbeitsfläche

Mögliche Stolpersteine

Wer noch nie viel genäht hat, der wird vielleicht (so wie ich) ab und zu viel Mühe haben, die Stickmaschine davon zu überzeugen, das zu machen, was man auch will. Die Oberfaden- und Unterfadenspannung richtig einzustellen ist an manchen Tagen gar nicht so einfach. Gelegentlich knotet die Maschine dann aus Trotz einen gordischen Knoten dort, wo eigentlich der Unterfaden sein sollte. Das hat mir schon viele Nerven gekostet…

Auch muss beachtet werden, dass der Stoff die ganze Zeit fest im Stickrahmen eingespannt sein muss — auch während man überschüssigen Stoff oder Klett abschneidet. Kleinstes Verrutschen kann zu schiefen Mustern und einem fehlplatzierten Rand führen.

Aber wie bei so vielem, mit genügend Geduld und Zeit, kann man auch diese Probleme in den Griff bekommen.